Zwei Workshops zum Thema Selbstbehauptung
In geschlechtshomogenen Gruppen wird nicht unbedingt besser, doch aber "anders" gelernt - daher fanden in der ersten Jahrehälfte zwei Projekttage in gleichgeschlechtlichen Gruppen statt.
“Weil Wir Wissen Was Wir Wollen....” lautete das Thema eines zweitägigen Workshops an dem alle Mädchen der beiden Therapeutischen Wohngruppen von STEP e.V. teilnahmen.
In
einer kleinen, vertrauensvollen und geschützten Runde beschäftigten
sich die insgesamt sechs Mädchen
in Gesprächen, Rollenspielen und verschiedenen Übungen mit
folgenden Themen:
- Wo sind meine persönlichen Grenzen?
-
Wie setze ich Grenzen?
-
Wie reagiere ich angemessen auf Grenzverletzungen?
-
Trainieren der Stimme
-
Nein-Sagen
Konfliktsituationen, denen die Mädchen im Alltag (in der Schule, auf der Straße, im Verein...) ausgesetzt sind wurden bresprochen und gemeinsam in kleinen Rollenspielen nach Lösungen gesucht. Sie wurden ermutigt, ihre Gefühle wahrzunehmen, nach diesen zu handeln und mit Angst besetzten Situationen selbstbewusst umzugehen.
Wichtig
war weiterhin, durch einen starken Blick, Stimme, Gestik, Mimik und
aufrechte Körperhaltung die richtigen Signale zu „senden“. In
verschiedenen Übungen und Rollenspielen lernten sie mit ihrer
Stimme und Körpersprache Anmache und Belästigungssituationen
abstoppen können.
Ein weiter wichtiger Bestandteil des Workshops war das Erlernen von einfachen, aber wirkungsvollen körperlichen Techniken, die es den Mädchen ermöglichen, sich bei körperlichen Angriffen sofort und effektiv zu verteidigen.
Fiel es den Mädchen anfangs noch schwer, eigene Rechte einzufordern und laut NEIN oder STOPP zu sagen haben sie sich im Laufe des Workshops immer mehr zugetraut. Denn...
-
Nein heißt nein
-
Mein Körper gehört mir
-
Ich habe Rechte
Das Entwickeln einer selbstbewussten Körperhaltung, deutliches "NEIN-sagen" , klare Grenzen ziehen und darauf zu bestehen, und das Erleben eigener Stärken ist für die Mädchen sehr wichtig, daher wird der Workshop von nun an jährlich wiederholt.
__________
Zur gleichen Zeit setzen sich dei Jungs der Therapeutischen Wohngruppen mit Problemem auseinander die Jungen machen und Jungen haben. Genau an diesen Punkten setzt Jungenarbeit an.
Sie eröffnet Jungen neue Räume zur eigenen Entwicklung. Jungen werden dabei in ihrer besonderen Individualität mit ihren Stärken und Schwächen, Defiziten und Kompetenzen wahrgenommen, unterstützt und begrenzt sowie als entwicklungsfähige Persönlichkeiten wertgeschätzt. Die Vielfältigkeit von Jungen und Männern zu sehen und zu beachten, sowie sie als Bereicherung zu erfahren, ist ein wichtiger Ausgangspunkt der Jungenarbeit. Jungenarbeit bedeutet, das Miteinander mit Lust und Spaß zu gestalten ohne auf Kosten von anderen zu agieren.
Glücklicherweise stand uns die Turnhalle einer benachbarten Schule zur Verfügung und so konnten wir unser körperorientiertes Seminar in Form von Boxtraining umsetzen.
Zunächst wurden mit den Jungs klare Regeln erarbeitet, zu deren Einhaltung sich alle verpflichten mussten.
Umrahmt von Interaktionsübungen zum Erkennen von Grenzen, zur Verbesserung der Kommunikation und der Achtsamkeit, folgten Einheiten zum Boxtraining.
Dieses Training sollte den Jungen ermöglichen, auf angeleiteter Ebene Aggression in verschiedenen Formen zu erfahren, einschätzen zu lernen und den Unterschied zur Gewalt zu erkennen. In einem geschützten, klar strukturierten Kontext ist es den Jungen und jungen Männern möglich, Aggression und Wut zu durchlaufen. Dazu gehört auch, die eigenen Grenzen und die der anderen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Gefühle von Niederlage, Angst, Schmerz und Ohnmacht finden genauso einen Platz wie das Ausdrücken von Kraft, Lebenslust und Grandiosität.
